Lebensfreude durch heilsames erzählen

  © Elisabeth Pohlmeyer, 0174/3864282, www.selbstheilung-pohlmeyer.de

 

Es ist halb fünf am morgen als ich aufwache. Sofort bin ich hellwach, krieche leise aus meiner Koje und klettere an Deck. Spiegelglatt ist das Wasser rund um das Segelboot und in den silbrigen Glanz des Meeres mischen sich erste Orangetöne. Die Sonne ist noch nicht zu sehen, aber der Horizont glüht schon. Schaue ich zur anderen Seite aus dem Boot, sehe ich im lilafarbenen Dunst den untergehenden Vollmond. Eine halbe Stunde lang sitze ich still an Deck, schaue mal rechts, mal links aus dem Boot und sehe zu, wie der Mond versinkt und die Sonne aufgeht. Dann krieche ich zurück in die warme Koje und schlafe noch ein paar Stunden.

So etwas ist für mich Lebensfreude pur. Noch Wochen später bin ich satt und trunken von diesem Erleben. Ich glaube, ich würde platzen, wenn ich niemandem davon erzählen könnte. Auch jetzt erfüllt es mich erneut mit Freude, weil ich darüber schreiben und meine Freu-de mitteilen, d.h. mit anderen Menschen teilen kann.

Mitteilen, was uns im Innersten berührt oder bewegt – das tut ein-fach gut! Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, mit seinem In-nersten gehört und verstanden zu werden.

Und genau da liegt ein großes Problem unserer Zeit. Wir hören zwar zu, aber gleichzeitig schauen wir auf den Bildschirm von Smartpho-ne, PC oder Fernseher oder auch „nur“ unseres inneren Kopfkinos. Oft sind wir beim Zuhören nicht ganz bei der Sache und schon gar nicht mit unserem ganzen Mitgefühl bei dem, der uns gerade sein Innerstes offenbart. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen nur noch oberflächliche Gespräche zulassen, denn kaum etwas ist verlet-zender, als das eigene Innerste zu zeigen und vom Gegenüber nicht wirklich beachtet zu werden. 

Wie leicht könnten wir mit einer guten Gesprächskultur unsere Le-bensfreude steigern!

· Wenn der Erzählende die ungeteilte Aufmerksamkeit und liebe-volle Zuwendung des Zuhörers bekommt, ist allein das eine Wohltat.

· Wer in einer solchen Atmosphäre erzählt, kann sich selbst und sein Erlebnis, von dem er berichtet, neu verstehen. Das tut sogar dann gut, wenn dadurch ein Problem (endlich klar) erkannt wird.

· Beim Erzählen von Problemen oder belastenden Situationen kann der Erzählende neue Perspektiven entdecken und Lösun-gen selbst finden. Dadurch wird ein innerer Wandel möglich, der Lebensfreude und sogar körperliche Gesundheit schaffen kann.

 

Aber nicht nur für den Erzählenden steigert sich durch eine gute Ge-sprächskultur die Lebensfreude auf vielerlei Weise:

· Der Zuhörer, der wirklich, bedingungslos wertschätzend und vor-urteilsfrei zuhört, erlebt den Erzählenden neu und lernt ihn in-tensiv kennen. Das fühlt sich gut an, denn es verbindet.

· Zu erleben, wie sich der Erzählende wandelt, allein weil man ihm gut zuhört, ist immer bereichernd für den Zuhörer.

· Oft klingt das Gehörte im Anschluss an das Gespräch im Zuhörer nach und bewirkt auch in ihm einen Wandel hin zu Gesundheit und Wohlbefinden.

 

Wirkliches Zuhören ist so spannend wie ein Ausflug in eine völlig fremde Welt und kann den interessantesten Urlaub kostenlos erset-zen. Kein Mensch, und kennen wir ihn auch noch so lange, bleibt immer derselbe. Alles wandelt sich. Den Wandel unserer Mitmen-schen können wir nur mitbekommen, wenn wir still werden, wenn wir lauschen auf das, was uns unser Gegenüber mitteilen will. Wenn wir nicht nur hören, welche Worte er sagt, sondern auch spüren, wie er sich dabei fühlt, und wenn wir tief eintauchen in seine Innenwelt.

Auch im Alter, wenn Erinnerungen an frühe Lebenszeiten verstärkt ins Bewusstsein dringen, aber die engsten Vertrauten nicht mehr da sind, kann das heilsame Gespräch mit einem wirklich einfühlsamen Zuhörer erheblich zu Entspannung und Lebensfreude beitragen.

Erzählen und Zuhören können aber in jedem Alter eine Quelle vielfäl-tiger Lebensfreude sein, wenn wir es denn voller Hingabe, Respekt und Liebe tun.

 

© Elisabeth Pohlmeyer, 0174/3864282, www.selbstheilung-pohlmeyer.de